Rente mit 63 – wäre wirklich schön

SPD – Nahles hat den Eintritt in die Rente mit 63 verkündet und angepriesen. In Anbetracht der bisher verfolgten Politik „unserer Volksvertreter“ zwängt sich die berechtigte Frage auf, in wieweit dieser Ankündigung Glauben geschenkt werden kann. Der Streit um dieses Thema ist unter den Regierenden voll entbrannt. Im Koalitionsvertrag fest geschrieben, hält die SPD in Anbetracht der bevor stehenden  EU-Wahl werbewirksam daran fest. Erstaunlicherweise schießt die CDU dagegen, trotz der anstehenden Wahl. Haben die schon resigniert, oder buhlt man auf anderer Ebene um Stimmen?

EU-Merkel hat unlängst verkündet, Frühverrentung müsse entgegen gewirkt werden. Natürlich ohne nähere Ausführungen, was darunter zu verstehen ist. Halt wie immer, Worte ohne konkrete Aussagekraft. Auslegbar in jede gewünschte Richtung.
Nach den bisher bekannten Voraussetzungen, mit 63 Jahren in den Genuß zu kommen, Rente zu beziehen, trifft dies auf magere 6% der heutigen Anwärter zu. Zur Bedingung wird gemacht, das 45 Beitragsjahre erfüllt sind. Nur wer kann auf volle 45 Jahre ununterbrochener Beschäftigung und damit Einzahlung verweisen? Wie schon erwähnt, ein sehr geringer Anteil der Berufstätigen. Aus sicher werbetechnischen Gründen streitet man derzeit über die Anerkennung von begrenzten Zeiten der Arbeitslosigkeit. Ich fürchte, nach dem 25.5. 2014 ist dieser Streit Geschichte und man kehrt auf gewohnte Gleise zurück. Dann werden sicher wieder Stimmen laut, welche wegen der Altersstruktur eine Anhebung des Renteneintritts auf 70 Jahre fordern. Und sicher Gehör finden werden. Haben heute schon vierzig jährige angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt Probleme wegen des Alters eine Anstellung zu finden, wie  bitteschön soll ein Mensch mit z.B. 65 Jahren noch in Lohn und Brot kommen? Bedenkt man dazu noch das Lohngefüge, wie sollen dann noch Rentenpunkte zustande kommen? Die Leute, welche darüber entscheiden, haben solche Sorgen freilich nicht. Abgesehen von exorbitanten Diäten (unter Diät versteh ich was anderes) genießen diese Herrschaften quasi leistungslose Pensionen, für die ein normaler Arbeiter über hundert Jahre einzahlen müßte. Und was leisten diese Leistungsempfänger dafür? Die Antwort sollte jeder für sich geben.
Ein Blick auf andere Länder darf hier nicht fehlen. In der EU gehen die meisten Beschäftigten zwischen 55 und 60 Jahren in Rente. Nach meinem persönlichem Verständnis, ein Lebensalter, das dem Pensionär die Möglichkeit gibt, die Früchte seiner Tätigkeit noch genießen zu können. Nur uns Deutschen wird dies verwehrt. Durch unverhältnismäßige Zahlungen an die EU müssen wir den frühen Ruhestand anderer EU-Länder finanzieren. Es sei die Frage erlaubt: Warum?!.
Ich will ein Rechenbeispiel einbringen, welches aufzeigen soll, was ein durchschnittlicher Arbeiter in seinem Arbeitsleben einzahlt und was er bekommt. Ausgehend von 1500€ brutto, Steuerklasse II, 0,5 Kinderfreibetrag und 45 Beitragsjahren. Dies soll keine Rentenberechnung sein, sondern lediglich mit Hilfe einiger beispielhaften Zahlen darstellen, wie die Verhältnisse liegen.
Bei angenommenen 1500€ brutto fallen im Monat 141,75€ Rentenbeitrag an. Auf das Jahr summiert sich der Beitrag auf 1701 € an. Nach 45 Jahren ist eine Summe von 76545 € aufgelaufen. Beeindruckend. Rechnet man den Anteil der Firma hinzu, stehen schon 153090 € auf der Seite des Guthabens. Eine Summe, die unter heutigen Lebensverhältnissen nicht mehr angespart werden kann.
Anhand einer im Netz verfügbaren Seite, welche die Berechnung der zu erwartenden Rente erlaubt, ergibt sich nach den oben angeführten Bedingungen für die neuen Länder eine zu erwartenden Rente von 698€. Es wurden keine Anpassungen berücksichtigt. Der Einfachheit halber. Die Einzahlungen basieren ebenfalls auf den Bedingungen für die neuen Länder. Bleibt die Frage, wie lange kann aus dem einbezahlten  Beitrag des Anteils des Arbeiters die Rente bestritten werden. Allein aus dem Anteil des Beschäftigten ist die Rente für 109,66 Monate gedeckt. Das entspricht etwa neun Jahren und einem Monat. Bei einem Eintrittsalter von 67 Jahren müßte der Rentner ein Lebensalter von rund 76 Jahren erreichen, um seinen Anteil zu verbrauchen. In Anbetracht der Lebenserwartung der arbeitenden Bevölkerung hat der abhängig Beschäftigte seine Rente in der Regel komplett selbst erarbeitet. Noch nicht eingerechnet ist der gesetzliche Anteil des Arbeitgebers. Da dieser Anteil auf das selbe Konto fließt, ergibt sich ein anderes Bild. Bei der oben genannten monatlichen Rente ergibt sich eine Bezugsdauer von 219,33 Monaten, etwas über 18 Jahre. Der Mensch müßte also ein Alter von rund 85 Jahren erreichen, um nur die für ihn eingezahlten Beträge zu verbrauchen. Nicht berücksichtigt sind Gewinne der Rentenversicherungsträger aus Geschäften am Kapitalmarkt und Zinsen der Guthaben.
Da nur wenige Menschen dieses Alter erreichen, ihre für sie angelegten Einzahlungen aus zu schöpfen und dazu ein nicht unbeträchtlicher Teil nie in den Genuß einer Rente kommt, muß zwangsläufig ein nicht unerheblicher Überschuß in den Rentenkassen entstehen. Dieser Überschuß gehört, wenigstens abzüglich einer Reserve, an die Rentner verteilt. Statt dessen werden Nullrunden verordnet. Die Politik muß sich die berechtigte Frage gefallen lassen – und vor allem ehrlich beantworten – wofür sie diese Überschüsse verschwendet. Die Rentner jedenfalls, werden um diese Überschüsse betrogen!
Bleibt die Frage, was soll das Gezerre um eine Rente mit 63? Das Geld dafür ist längst eingenommen!

Fritz Vogtländer