Ein offener Brief an die Vertreterinnen und Vertreter des Deutschen Volkes im Bundestag zum gedanklichen Entwirren der Krise in Osteuropa

Sehr geehrte Damen und Herren,

welches Vormundschaftsgericht hat hier entschieden: Putin steht unter
Kuratel von Obama, und die slawischen Völker Osteuropas werden von
keltisch-germanischen Herrenmenschen aus Westeuropa betreut? Eine
solche Karikatur darf doch nicht wahr sein!

Mit dem Amtsantritt Obamas schienen die USA dunkle Jahrhunderte des
abwertenden Chauvinismus der weißen Rassen gegenüber den schwarzen und
indigenen Rassen überwunden zu haben. Kaum aber regt sich irgendwo eine
eigenursprüngliche Herrschaft des Volkes, wie etwa auf der Krim, ist
alle zuvor propagierte Ideologie der Gleichrangigkeit der Völker
verschwunden. Solidaritätssanktionen, der globalistic corporate
governance zuliebe, offenbaren die notorische Feindschaft auch von
Eurokraten gegen demokratisches Bewegtsein. Absolute Mehrheiten von
Wahlboykotteuren diesseits und jenseits des Atlantiks bekunden eine
illegitime Tyrannis kleiner Cliquen in der sog. westlichen Welt.

Europas ältestes Kulturgut, die Wandlung mörderischer Kriege in
Freundschaft stiftenden Wettkampf, in Gestalt der Olympischen Spiele,
weckt globale Begeisterung. Ein Joachim Gauck jedoch missbraucht diesen
genialen Kultus des Friedens zur psychologischen Kriegführung: Wer eine
Wahl zum Präsidenten annimmt, hat private Verdrießlichkeiten
zurückzustellen, statt per Besuchsboykott in Sotschi das Volk mit
hineinzuziehen. Taugt zum Amtsträger, wer trotz schwer traumatisierter
russisch-deutscher Geschichte den Wertevorrang des olympisch heiligen
Sports verkennt?

Nicht wirtschaften zu können, Verschwendungssucht, Schulden auf
Schulden zu türmen – solche Laster gelten als Symptome von
Charaktermängeln. Wo sich primär Verantwortliche den Folgen ihres
Frevelns mittels drastischer Diätenerhöhungen entziehen, sind bereits
Völker ganzer Kontinente in die Zinsversklavung verschleppt worden:
Genügte im typischen Arbeitnehmerhaushalt vor vier Jahrzehnten eine
einzige erwerbsarbeitende Person, bedarf es heute oft zweier
vollzeitlich Erwerbstätiger, manchmal sogar zusätzlicher Nebenjobs,
trotz verbesserter Produktivität. Dieses strategisch-salamitaktische
Ruinieren von Lebensqualität und Familiarität durch ausbeuterische
Arbeitszeitverdoppelung für zunehmend zinsbelastete Preise rühmen
Zyniker als berufliche Frauenemanzipation. Eine hälftige Aufteilung
eines einzigen Quantums an Vollzeiterwerbsarbeit auf zwei Partner wäre
Emanzipation gewesen, für Frauen wie auch für Männer und Kinder.

Rechnet man zu seiner wahnhaften Unersättlichkeit noch ein halbes
Jahrhundert an Blut-für-Öl-Kriegen gegen die arabischen Völker hinzu,
steht der sog. Westen als blutrünstige Bestie da, aus Vorsatz schuldig
und aus Dummheit oder Hinterhalt fremd- und selbstgefährdend
überschuldet. Die Russische Föderation setzt auf eigene Rohstoffe und
Energieträger, die in sibirisch-arktischer Kälte zu gewinnen zwar
herausfordernd ist, aber lohnend allein schon deshalb, weil es ohne
Kriege gelingt. Deshalb ist Russland sittlich überlegen, und dank
seiner fiskalischen Solidität leben seine Bürger fast frei von
finanzfaschistoider Vampirie. Der Westen hat allen Grund, seine
schändliche Anmaßung abzulegen, um russische Politik und
osteuropäisch-bodenständige Kulturkraft auf Vorbildliches zu prüfen.

„Deutschland, Deutschland über alles“ – was für Unsinn lesen
Globaltotalitaristen, von sich auf Andere schließend, in diese Worte
hinein! Hoffmann von Fallersleben jedoch mahnt als Nationalpazifist
auch
mit der ersten Strophe des Deutschlandliedes zu politischer
Bescheidenheit: Mischt euch niemals mehr in Frankreich und Russland
ein,
seid zwar stets verteidigungsbereit, aber pfuscht und plündert nicht
wie England in Indien und Afrika herum, sondern kehrt vor der eigenen
Tür, beackert eueren eigenen Boden, haltet euer Deutschland gesund und
seid damit zufrieden!

„Gegen Rassismus und Antisemitismus“ – was will diese staatlich
geförderte Parole sagen? Darf Israel etwa nicht „Der Judenstaat“
sein, wie ein von seinem Initiator Theodor Herzl verfasstes Buch
betitelt ist? Wen stört es denn hierzulande, wenn Israel fast nur
solche Menschen einwandern lässt, die per Ahnenreihe und elterlicher
Abstammung als Juden bestimmt sind? Wen behelligt es, wenn – der
„Times of Israel“ [2] zufolge – dieser Staat DNA-Tests verlangt,
falls Zuwanderungswillige unehelich geboren oder adoptiert sind? Was
geht es hierzulande irgend jemanden an, wenn andere Völker ihre
kulturelle Identität pflegen, gesellschaftlich, kultisch,
wissenschaftlich und im Judentum oft sogar biologisch und mit strengen
Immigrationsregeln? Gerade Ungewohntes könnte bisweilen auch
inspirierend sein!

Wer plump „gegen Rassismus“ schreit – vielleicht aus Trauer um den
Verlust einer tragenden Säule in seinem eigenen identitären Gesamt,
vielleicht aus Neid auf Menschen, Gruppen, Völker und Staaten, die sich
selbstsicher anonymem Gleichschaltungswahn und positivistischer
UNO-Kratie entziehen – trifft u.a. auch den Staat Israel und ist damit,
gewollt oder ungewollt, Antisemit. Antirassisten scheinen
antisemitische
Rassisten zu sein?

Es wird sich also ganz ohne einen Gedanken von Rasse ein neutraler
oder
freundlicher Bezug zu diesem selbsterklärtermaßen jüdischen Staat
nicht bewerkstelligen lassen. Die englische Sprache unterscheidet
zwischen dem chauvinistisch-abwertenden „rascism“ und dem wertfrei
differenzierend beschreibenden „racialism“. Diese neuere Kategorie
des „racialism“ eröffnet das anerkennende Würdigen von je
einzigartigen Eigenschaften kleiner Milieus bis hin zu großen
Kulturkreisen, anhand empirischen Forschens, wobei es nebensächlich
wird, ob die jeweiligen Anlagen, Begabungen und Ausgestaltungen eher
als
geistig tradiert, eher als genetisch vererbt oder eher als für sich
selber neu erschaffen aufgefasst werden.

Mit seiner sprachlichen und inhaltlichen Subtilität wird das Wort
„racialism“ angesichts der Neigung öffentlicher Debatten zur
Vergröberung in Deutschland m.E. nicht geeignet sein. Ersatzweise
empfehle ich deshalb, den Begriff „Ethnopluralismus“ zu verwenden.

Der chauvinistisch abwertende Begriff „Dritte Welt“ und der
global-totalitäre Begriff „Eine Welt“ sind nur für jeweils wenige
Problematiken sachgerecht: So ist etwa Nothilfe bei örtlichen
Katastrophen auch für fernste Länder geboten, und Klimafragen
erfordern einen globalen Diskurs. Wo sie über das sachlich Angebrachte
hinaus gehen, neigen kontinental und global verbindlich gesetzte Regeln
zur ideologischen Willkür und stören regionale Selbstmotivation.
Angeblich allein selig machender Universalismus darf getrost als Wahn
diagnostiziert werden, weil er einseitig und künstlich ist, dem
natürlich Lebendigen sein evolutionäres Sich-Fortgestalten missgönnt
und selbstschöpferische innovative Auswege aus Holzwegen verbaut.

Für Fragen globaler Politik wieder klärungsbedürftig geworden
scheint auch der Begriff „Nation“ zu sein: Er stammt vom
Lateinischen „nasci“/„natum“ = „geboren
werden“/„geboren“, woraus die Begriffe „Natur“ und
„Nation“ abgeleitet sind. Zumindest in Mittel- und Osteuropa wie
auch auf dem Balkan meint „Nation“ eine je besondere natürliche
Wesensart gemäß der familiären Abstammung und volklichen
Gebürtigkeit, verwurzelt in heimatlich tragender Landschaft und
vernehmbar aus gemeinsamer Muttersprache. Solcherart bodenständig
gewachsenes Zusammengehörigkeitsgefühl bestimmt schließlich
maßgeblich das Bilden von Siedlungsräumen und Verwaltungseinheiten
sowie das Festlegen ihrer Grenzen: „Nation“ ist hierbei
„Kulturnation“ mit gemeinsamer „Volksseele“.

Ganz anders in den USA: Dort wird unter „nationality“ nichts
anderes als die juristische „Staatsangehörigkeit“ verstanden,
völlig unabhängig von der Herkunft, Abstammung und
Kulturzugehörigkeit der jeweiligen Bürger. Die „Staaten“ sind dort
als äußerliche Zweckgebilde geschaffen, oft mit abstrakten Grenzen wie
mit dem Lineal auf der Landkarte gezogen, ohne Rücksicht auf
Siedlungsgeschichte und Geographie. Für die USA, nach dem Völkermord
an den Indianern heterogen zusammengewürfelt neu besiedelt, mag eine
künstlich gegliederte administrative Infrastruktur angemessen sein: Die
geringe Solidarität einander fremder Ethnien und zerklüfteter
Gesellschaftsklassen bei relativ hoher Kriminalität will mit
obrigkeitlich aufgesetzter Ordnung nach Sheriffart verklammert werden,
um ein Zusammenleben erträglich zu machen, wobei sich oft anstelle
räumlicher Grenzen soziale Abgrenzungen organisieren.

Das europäische Prinzip der stammes- und kulturbasierten „Nation“
ist mit dem US-Prinzip der abstrakt-obrigkeitlichen „nation“ nicht
vereinbar. Um so mehr gilt es, über den Atlantik hinweg Verständnis
für solche Unterschiede der Staatskonzepte zu entwickeln und sich der
gegenseitigen Bevormundung und global-totalitären Gleichschalterei zu
enthalten. Jugoslawien, Afghanistan, der Sudan, Israel/Palästina, der
Irak und die Ukraine belegen tragisch genug die Gefahren infolge von
gut
gemeint konstruierten und entfremderisch aufgezwungenen Um- und
Abgrenzungen: Ein von kaum legitimierten oder gar mehrheitlich
abgelehnten Obrigkeiten weltfremd fabriziertes „Völkerrecht“, das
nicht aus den Herzen der Völker spricht, hat diesseits des Atlantiks
weder nährenden Boden noch nachhaltig Bestand; wie eine Drachensaat
bedroht es den Frieden.

Slawisches, germanisches und sonstiges urvolkliches Gemeinschaftsrecht
mit römischem Raubrecht („rauben“ = lat. „privare“ >
„privat“) zu überschütten, das scheint vielerorts und seit langer
Zeit den meisten menschlichen Naturen zuwider zu sein, was auch
Juristen
vertraut ist. Der vielfältige Widerstand von chauvinistisch-rassistisch
übervorteilten Völkern lässt sich in Namen wie Arminius, Wilhelm
Tell, Robin Hood, Karl Marx oder nunmehr Wladimir Putin
personalisieren.
Wer „Putin-Versteher“ als Schimpfwort benutzt, will – im Unterschied
zu Putin – andere Menschen in ihrem Anderssein in ihren anderen
Kulturen
gar nicht wirklich verstehen und auch nicht mit ihnen redlich Austausch
pflegen, sondern gebärdet sich als ein verwerflicher chauvinistischer
Rassist. Verwerflicher chauvinistischer Rassismus wütet auch dort, wo
Menschen als willkürlich programmierbare Roboter misshandelt werden,
wie derzeit im sog. Westen durch oftmals pervertierte und obendrein
überfrachtete Beschulung, durch immer häufiger auftragslügnerisch
mobbende Massenmedien und durch politische Verfolgung von
Lebenserfahrung, Konstruktivität, Schöpferkraft und Unternehmungslust:
Wer inszeniert den landesverräterischen Defaitismus z.B. gegen autarke
umweltfreundliche Energietechnologien, gegen desiderate deutschstämmige
Geburtenfülle oder gegen die Voraussetzungen innerer Sicherheit?

Wenn ein globaler Frieden aus aufmerksamem Verständnis für ein
gelingendes Einander-Verständigen überhaupt gewünscht ist, wird wohl
ein differenzierendes Herangehen nötig werden. Es bedenkt das
natürliche, evolutionäre Sich-Differenzieren, hieraus dann das
Gewordensein und weitere Werden lebendiger und daher auch biologisch zu
sehender Naturen von Menschen, Ahnenreihen, Stämmen, Völkern, Rassen
und Kulturen.

Wer will es ihnen missgönnen, den Albanern und Osseten, oder nun den
Russen, Rumänen und Polen im Randbereich des ukrainischen
Staatsgebildes, möglichst sich selbst tragend in volklich kompatiblen
Gemeinschaften zu leben? Es kann nur Unwissen sein, Helferwahn,
ideologische Verblendung oder, wie westliche „Kredithilfen“
befürchten lassen, von Profit besessene Anfixerei zur Konsumsucht,
deren arbeitshetzerischer Wachstumszwang vielen traditionell Gemüt und
Besinnlichkeit pflegenden Lebensweisen ein fremdes Gräuel ist.

Wie gegen einen militärischen Angriff lässt sich auch gegen
zinsversklaverische Invasionen seitens kleinzahliger, nicht volklich
repräsentativer Cliquen ein Selbstverteidigungsrecht denken, sei es
formal gesetzt oder von der Natur gegeben, sei es für förmliche
Staaten oder für ignorierte Völker und ihre jeweils eigenen
Wesensarten. Ethnopluralistisch ansetzende Politik sollte kriegerische
Zuspitzungen gegenstandslos machen.

Ob Wotans „Wildes Heer“ gegen den Artikel 26 des Grundgesetzes
verstößt, wenn es denn jemals über Stalingrad hinaus bis zum
Hindukusch vordringt, fragen Sie bitte weniger die Berater von Herrn
Obama, sondern eher das Bundesverfassungsgericht oder am besten die
germanische Mythologie: Dort beschreiben himmlische Feldzüge heftige
Schneestürme.

Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen für Ihr politisches
Wirken

Wolfgang Stallbaum,

Haderunstraße 24,
D-81375 München

Links:
——
[1] http://dominique-venner.net
[2]
http://www.timesofisrael.com/russian-speakers-who-want-to-immigrate-could-need-dna-test/