Gedanken zum Gedenken…

Nach über 10 Jahren wollte ich gestern am 13.02.2013 endlich wieder einmal am Trauermarsch in Dresden teilnehmen. Ich fuhr von Wien über Chemnitz, meine Heimatstadt, am späten Nachmittag mit meiner Nichte nach Dresden.

Bereits am Chemnitzer Bahnhof sah ich ca. 50 Kameraden, aber auch ca. 100 Polizisten. Der Zug nach Dresden hatte ausgerechnet „technische Probleme“ und kam mit Verspätung an. Die Handyverbindung war schlecht, teilweise hatte die Telekomverbindung kein Netz, dann war es ganz aus.

Ein Schelm, wer da schon Verschwörungen entdeckt…

Im Zug selbst waren wir schon weniger, mir ist nicht bekannt, ob schon einige am Einsteigen gehindert wurden. Wir beiden Mädels sahen wohl unverdächtig aus und wurden unbehelligt gelassen. Bekannt war bis dahin die Änderung, dass der Treffpunkt von 18:00 Uhr auf 17:30 Uhr verlegt wurde und wir uns am Hauptbahnhof von DD einfinden sollten. Wie im Nachhinein festgestellt, gab es seitens der Organisation schon gravierende Mängel, die ich aber nur vom Hörensagen kenne und deshalb unerwähnt lassen will. Nur so viel, einige angekündigte Kameraden,

mit denen ich mich treffen wollte, sind gar nicht erschienen. Es wird gemunkelt, einigen ist ein anderer Bahnhof als Treffpunkt mitgeteilt worden, Reisebusse wurden gar nicht gesichtet, die aber ganz sicher unterwegs waren, wer weiß, was alles passiert ist, einer Berichterstattung der Medien ist ja nicht zu glauben.

Mir persönlich ist auch heute nicht bekannt, was es alles für „Missverständnisse“ gab und was die Gründe hierfür waren.
Am Bahnhof angekommen, hat man durch das Aufgebot der Polizei gesehen, wo „wir“ hingehören. Die Wege dahin waren mit „Nazis raus“-Aufklebern gesäumt, also hatte man die Antifa vorher unbehelligt machen lassen.

Ich wurde am Ausgang gefragt, wohin ich wolle, was mich erst ein wenig verunsicherte, denn ich war mir nicht ganz sicher, ob ich es denn überhaupt erwähnen dürfe… Ich habe gesagt, dass wir Teilnehmer sind und dann wurden wir mit einem süffisanten Lächeln seitens einer Polizistin durchgewunken.

Draußen angekommen, standen wir uns die Beine in den Bauch, was ich aber auch vermutet hatte. Bei einem solchen Gedenken ist ja Jammern wegen Wartens auch unangebracht… Es wäre nur wünschenswert gewesen, man hätte etwas von der Organisation gehört. Als es nach ca. einer Stunde losging, ging es genau ca. 200 m los, dann waren wir eingekesselt. Die Antifa wurde fast in Greifnähe zu uns herangelassen, die Polizei schritt nicht ein, als wir mit Schneebällen, Steinen, Raketen und Flaschen beworfen wurden! Ich habe im Vorfeld von dieser „Taktik“ gehört, wollte es aber nicht glauben, dass die Sicherheit von Menschen so auf‘ s Spiel gesetzt wird, wurde aber leider eines Besseren gelehrt. Die rote Pest skandierte lauthals „Nazis raus“, weil natürlich ein Gedenkmarsch für Opfer gleichbedeutend mit Rechtsradikalismus ist. Was mich persönlich sehr berührt hat, waren die vielen älteren Paare und einzelne Damen und Herren, die auf unserer Seite mitgingen und teilweise Flugblätter mit Informationen oder einfach nur Bonbons an die jüngeren Teilnehmer verteilten. Es waren spanische und tschechische Kameraden da und auch ein russisches Kamerateam, von dem ich die Worte „Nemetzki Nazis“ vernehmen durfte…
Irgendwann hatten wir uns mit der Tatsache abgefunden, dass auch diesmal kein Trauermarsch zustande kommt, man hat es ja in den letzten Jahren gesehen.

Also dachten wir, als die Geschosse zahlreicher wurden, weiterhin Flaschen, Schneebälle mit Glassplittern, Steine und Eier flogen, dass es besser wäre, uns zurückzuziehen, da die Polizei immer noch nicht einschritt, die Antifa immer näher rückte und einmal auch die nicht vorhandene Polizeikette überrannte und es abzusehen war, dass es jetzt eskalieren könnte.
Ich konnte nur meinen Augen und Ohren nicht trauen, was dann geschah.

Wir wurden nicht in den Bahnhof gelassen, so dass uns ein Rückzug verwehrt wurde! Nicht einmal die Toiletten durften aufgesucht werden, egal, ob da Frauen oder ältere Menschen fragten und teilweise bettelten. Das ging sage und schreibe 3 Stunden bei Eiseskälte so. Ein mit uns mitgereister junger Mann, den ich bei den Organisatoren vermute, der mir aber leider nicht bekannt ist, hat es dann geschafft, uns 2 Frauen an einem 4. gesperrten Ausgang einen Toilettenbesuch zu „versorgen“, der uns gnädiger weise gewährt wurde. Einmal drin im Bahnhof, sind wir dann trotz schlechten Gewissens den anderen Kameraden gegenüber zum Bahnsteig gegangen und haben uns in den bereits wartenden Zug nach Chemnitz begeben. Keine 5 Minuten später kamen fast alle anwesenden Chemnitzer mit einer Riesen-Polizei-Eskorte nach, so dass wir doch noch gegen 21:10 Uhr heimfahren durften. Bis dahin sind viele Menschen, die in kleineren Orten wohnen, dazu verdammt gewesen, irgendwo auf Bahnhöfen stundenlang die Nacht zu verbringen, weil ihnen der Zugang zum letzten Zug verwehrt wurde. Ich konnte an einer Tür noch mit einem Polizisten reden, der sagte, dass er uns gern eingelassen hätte, er aber nicht dürfe, weil er keinen Befehl hätte. Auf die Polizisten zu schimpfen, bringt meiner Meinung nach auch nichts, da wir wissen, dass es Befehls- und Gehaltsempfänger sind,

die vielleicht sogar teilweise doch mit unserer Seite sympathisieren. Es hat mir eines vor Augen geführt, dessen ich mir bisher nicht in diesem Ausmaß bewusst war, Deutschland ist ein Willkür-Staat, der mit Freiheit nichts mehr zu tun hat.

Und es ist nicht 5 vor, es ist nach 12.

Ich bin jetzt noch fassungslos, was da passiert ist.

Man muss was tun, es gibt keine Ausrede mehr.