Grußwort zum 200. Geburtstag Bismarcks

Liebe Kameradinnen und Kameraden!
Otto von Bismarck

Otto von Bismarck

Wer den bewunderns- und staunenswerten Werdegang von Otto von Bismarck betrachtet, ist leicht versucht, seinen Weg als einen geraden und von zwingenden Notwendigkeiten bestimmten einzuschätzen. Aber als er 1862 vor preußischen Abgeordneten davon sprach, daß die Probleme der Zeit „durch Eisen und Blut“ zu lösen seien, hatte er sicherlich nicht die kommenden Einigungskriege im Sinne. Die Tatsache, daß Preußen an den drei Kriegen, die Bismarck durchzufechten hatte, keineswegs alleine Schuld war, ist unbestritten.

 Den Namen „Eiserner Kanzler“ verdankt Bismarck der Tatsache, daß er unbeugsam an seinem Weg festhielt, wann immer er ein Handeln als unumgänglich ansah. Sein berühmter Ausspruch zum zögernden König Wilhelm I.: „Soll Revolution sein, so wollen wir sie lieber machen als erleiden.“ zeigt, daß er immer auch ein Getriebener war. Bei aller Härte blieb er jedoch maßvoll. So bewahrte er nach dem Sieg bei Königgrätz über Österreich 1866 allein kühlen Kopf, denn sein König wie das Militär, wollten unbedingt Richtung Wien weitermarschieren. Er aber verstand, daß das von ihm geschaffene Deutschland nicht zu mächtig werden durfte, und beließ es bei der kleindeutschen Lösung. Immer hatte er auch das Machtgefüge des ganzen Europa im Blick. Das brachte ihm allerdings auch oft massive Kritik deutsch-nationaler Politiker ein, die schon damals den Gedanken Großdeutschlands mit der Vereinigung aller Deutschen in sich trugen. Dennoch wird seit seiner Zeit Politik oft als die Kunst des Möglichen bezeichnet!
 Nach dem Sieg über Frankreich 1871 wurde der von ihm geformte Norddeutsche Bund um Bayern, Baden und Württemberg erweitert zum 2. Deutschen Reich, dessen Geschicke er als Kanzler bis 1890 maßgeblich bestimmte. So groß aber Bismarcks außenpolitische Verdienste auch waren, die innenpolitischen Leistungen standen nicht dahinter zurück. Er machte es möglich, daß Deutschland zur stärksten und modernsten Wirtschaftsmacht der Welt wurde, gleichzeitig war er der Begründer des deutschen Sozialstaates. So gilt sein System der Unfall- und Krankenversicherung noch heute für viele Staaten als beispielgebend in der Welt. Die Arbeiter in den USA z.B. haben bis heute noch nicht annähernd eine vergleichbare soziale Absicherung. Auch drängte er die Macht der Kirchen zurück, unter anderem die Einführung der Zivilehe war eine bleibende Folge dieser Politik.
Er, der vielen seiner Feinde als konservativer Reaktionär erschien, hat sich in Wahrheit den Beinamen „der weiße Revolutionär“ verdient. Vergeblich der Versuch mächtiger Zeitgenossen, seine Verdienste zu schmälern, indem Wilhelm I. zu „Wilhelm dem Großen“ und dem eigentlichen Reichseiniger erklärt wurde. Von der tiefen Zuneigung und Achtung des deutschen Volkes dem großen Bismarck gegenüber zeugen bis heute die vielen Bismarck-Denkmäler, Bismarcktürme und Bismarckstraßen. Erfreulich ist auch, daß die Dämonisierung Bismarcks, die die Geschichtsschreibung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägte, ihr Ende gefunden hat. Weit entfernt von der Verklärung, die unmittelbar nach Bismarcks Tod einsetzte, hat sich heute ein Bismarck-Bild durchgesetzt, das seinen Verdiensten die Achtung zollt, die sie verdienen.
 Unseren heutigen Politikern fehlen seine Weisheit, seine Liebe zu Volk und Vaterland, sein soziales Verantwortungsbewußtsein und seine Fähigkeit in Generationen denken zu können und auch zu wollen.
 Gäbe es heute einen Bismarck in der deutschen Politik, müßte uns um die Zukunft unseres Volkes nicht bange sein!
Udo Voigt MdEP

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