Die Atlantik-Brücke

Den meisten Bürgern in Deutschland wird dieser Begriff sicherlich schon mal zu Ohren gekommen sein. Doch Hand auf’s Herz: wer hat eine Vorstellung, was sich hinter diesem Begriff verbirgt? Aller Wahrscheinlichkeit nach die Wenigsten. Deshalb soll hier und jetzt der Versuch unternommen werden, den Schleier, der die Atlantik-Brücke umgibt, zu lüften.

Der Zweck dieser Stiftung besteht kurz gesagt darin, amerikanische Interessen in Deutschland zu vertreten. Schauen wir, wie sich die Atlantik-Brücke selbst darstellt:

Die Atlantik-Brücke ist ein gemeinnütziger, privater und überparteilicher Verein, der das Ziel hat, eine Brücke zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten zu schlagen. Im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten steht das Bemühen um ein besseres gegenseitiges Verständnis.

Zielgruppe sind deutsche und amerikanische Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik, den Streitkräften, der Wissenschaft, den Medien und der Kultur, die bei der Atlantik-Brücke einen Rahmen für vertrauliche Gespräche finden, aber auch Nachwuchsführungskräfte, die auf den „Young Leaders“-Konferenzen Netzwerke schmieden und den transatlantischen Dialog in der kommenden Generation lebendig halten. Mit ihren Studienreisen für amerikanische Lehrer möchte die Atlantik-Brücke ein differenziertes Bild vom modernen Deutschland vermitteln.

Die rund 500 Mitglieder der Atlantik-Brücke kommen vorwiegend aus der Wirtschaft, der Politik, der Wissenschaft und den Medien. Die Mitgliedschaft erfolgt auf Einladung.

 

Quelle

Also sollen hier ausgewählte Führungspersonen aus allen wichtigen Bereichen der Gesellschaft zusammen gebracht werden. In einem vertraulichen Umfeld werden dann Gespräche geführt und Entscheidungen getroffen. Dies bedeutet: es gibt keine Öffentlichkeit. Damit ist jeder Widerstand im Keim erstickt. Die Stiftung hat nach eigenen Angaben 500 Mitglieder und eine Mitgliedschaft kann nur auf Einladung begründet werden. Also ein exklusiv elitärer Verein. Mitglied kann nur werden, wer den Zielen dieser Clique als dienlich und nützlich erscheint. Man bleibt sozusagen unter sich. Wer alles dazu gehört, dazu kommen wir später.

Ins Leben gerufen wurde der Verein 1952 von dem Bankster Eric M. Warburg. Marion Gräfin Dörnhoff und Helmut Schmidt mit Sitz in Bonn. (Gräfin Dörnhoff wurde später Chefredakteurin und Herausgeberin von „Die Zeit“.) Anfangs konzentrierten sich die Aktivitäten auf den politischen und wirtschaftlichen Bereich. Später dehnte man den Einflußbereich auf Medien, Militär, Studenten, Lehrer, Professoren, junge Führungskräfte und Journalisten aus, immer mit dem Ziel, den Einfluß der USA auf Deutschland nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen. Der Autor Richard Schapke charakterisierte die Atlantik-Brücke wie folgt:

„Mit dem beginnenden Kalten Krieg sorgten die Vereinigten Staaten sich um ihren politischen Einfluß in Mitteleuropa. Da man die Bundesrepublik nicht mehr wie zu Zeiten alter Besatzungsherrlichkeit per Dekret beherrschen konnte, verlegte der Rat für auswärtige Beziehungen (CFR), gewissermaßen die imperiale Denkfabrik der USA, sich auf eine mehr informelle Einflußnahme. Ergebnis war die Gründung des American Council on Germany. In diesem Ableger formulieren Vertreter der CIA-nahen Gewerkschaft AFL-CIO, die nicht ohne Einfluß auf die Gründung der antisozialistischen Einheitsgewerkschaft DGB war, gemeinsam mit Exponenten solch illustrer Bankhäuser wie Chase Manhattan (Rockefeller), Morgan Stanley, Brown Brothers Harriman (Bush), Goldman Sachs, Warburg oder der Bundesbank Federal Reserve die Grundzüge der amerikanischen Deutschlandpolitik. Mit am Tisch sitzen ferner die CIA und die US-Großkonzerne wie Exxon oder Pfizer.“

Herr Schapke trifft damit den Nagel auf den Kopf. Mit einer Einschränkung – in Deutschland gilt nach wie vor Besatzungsrecht. Damit sollten Sinn und Zweck dieser Gesellschaft klar sein.

Der Verein veranstaltet Konferenzen, Seminare und Kolloquien. Durch verschiedene Programme (Schüler-, „Young Leaders“-, Lehrer-, Offiziers-, Journalistenprogramme) wurde ein Netzwerk interessierter, vor allem nützlicher Personen aufgebaut.
Bleibt noch die spannende Frage, wer in diesem illusteren Kreis dabei ist. Nachfolgend die Mitglieder und ihre Funktion, so wie sie auf der Seite der Atlantik-Brücke veröffentlicht ist.

 

VORSTAND DER STIFTUNG ATLANTIK-BRÜCKE

Vorsitzender
Friedrich Merz, Senior Counsel, Mayer Brown LLP

Stellvertretender Vorsitzender
Professor Dr. Andreas R. Dombret, Mitglied des Vorstands, Deutsche Bundesbank

Mitglied des Vorstands
Eveline Metzen, Geschäftsführerin der Atlantik-Brücke

KURATORIUM DER STIFTUNG ATLANTIK-BRÜCKE

Vorsitzender
Max M. Warburg, Partner, M.M. Warburg & Co

Stellvertretender Vorsitzender
Dr. Arend Oetker, Geschäftsführender Gesellschafter, Dr. Arend Oetker Holding GmbH & Co. KG

Weitere Mitglieder des Kuratoriums

Dr. h.c. Roland Berger, Honorary Chairman, Roland Berger Strategy Consultants GmbH
Jürgen H. Conzelmann, CEO, Haus & Grund Frankfurt am Main
Dr.- Ing. Jürgen R. Großmann, Gesellschafter, Georgsmarienhütte Holding GmbH
Axel Hörger, Vorsitzender des Vorstands, UBS Deutschland AG
Dr. Claus Kleber, Redaktionsleiter, ZDF – Zweites Deutsches Fernsehen
Hans-Ulrich Klose
Frank Mattern, Managing Partner, McKinsey & Company Inc.
Dr. Lutz R. Raettig, Vorsitzender des Aufsichtsrats, Morgan Stanley Bank AG
Volker Rühe, Bundesverteidigungsminister a.D.
Kurt F. Viermetz, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsche Börse AG a.D.
Dr. Peter Wittig, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Washington DC

Weitere bekannte Mitglieder sind derzeit:

Frau Merkel soll übrigens auch dabei sein. Wen wundert’s? In vielen Biographien wird eine Mitgliedschaft in der Atlantik-Brücke nicht erwähnt. Warum eigentlich, wenn dies eine so ehrenwerte Gesellschaft ist?
2002 berichtete der Autor Richard Schapke, einige bekannte Persönlichkeiten gratulierten der Atlantik-Brücke zum 50. Jubiläum und erklärten explizit, sie verdankten der Atlantik-Brücke ihre Karriere! Also doch nicht so gemeinnützig. Nachstehendes spricht für sich.
„Zum Jubiläum gratulierten der Atlantikbrücke (…) zahlreiche Personen, und zwar durch eine imposante Anzeige in der ,Welt‚ vom 17. April 2002. Die Unterzeichner erklärten explizit, dem Netzwerk der Atlantikbrücke ihre Positionen zu verdanken. Zu der beunruhigenden pressure group rechnen sich unter anderem: Heinrich Aller (SPD) als niedersächsischer Finanzminister, Joachim von Arnim als Gesandter der BRD bei der NATO, Susanne Gabriele Biedenkopf-Kürten als Leiterin der ZDF-Europaredaktion, Johannes K. Borsche als Vizepräsident der Frankfurter Morgan Stanley-Niederlassung, Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD, (…) Thomas W. Geisel aus dem Ruhrgas-Vorstand, Bundesbankdirektor Dr. Klaus D. Geisler, Wolfgang Ischinger als BRD-Botschafter in Washington, Eckart von Klaeden als Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der Telekom-Vizevorstandsvorsitzende Dr. Raphael Kübler, Dr. Rudolf Lang als Vorstandsmitglied von Goldman & Sachs, Nikolaus Graf Lambsdorff als Kabinettschef der UNMIK-Protektoratsverwaltung im Kosovo, Kathrin Leeb als Vizepräsidentin der Deutschen Bank, der Schering-Manager Knut Mager, der Springer-Vorstand Steffen Naumann, der als Kriegshetzer gegen den Irak auffallende CDU-Außenpolitiker Dr. Friedbert Pflüger, Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering als Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten im Europaparlament, der SPD-Politiker Ottmar Schreiner, Gottfried Spelsberg-Korspeter als RWE-Vorstandsmitglied, Michael Zissis Vassiliadis als Vorstandssekretär der IG Bergbau, Chemie, Energie, Matthias Witt als Geschäftsführer der Vogel Burda Communications GmbH sowie Redaktionsmitglieder des STERN, der „Financial Times Deutschland“, der FAZ, des „Tagesspiegel“, der ZEIT, des Bayerischen Rundfunks, von N24, SAT1 und der Süddeutschen Zeitung.“ Wir gestatten uns abschließend, diese „unabhängigen Journalisten“ namhaft zu machen: Dr. Nikolaus Busse, Christiane Hoffmann (FAZ), Katja Gloger (STERN), Malte Lehming (Tagesspiegel, US-Korrespondent), Theo Koll (Frontal21, ZDF), Rüdiger Löwe (Bayerischer Rundfunk), Eck Stuff (Ausbildungsleiter des SFB), Christian Wernicke (Europakorrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ in Brüssel), Sabine Ulbrich (Korrespondentin von N24 und SAT1 in Washington), Margaret Heckel (Financial Times Deutschland), Matthias Naß (Stellvertretender Chefredakteur der ZEIT), Anke Plättner (WDR).“
Wie bei solchen Organisationen üblich, finden auch bei der Atlantik-Brücke Ehrungen in Form der Verleihung von Preisen statt. Folgende drei Preise werden vergeben:

Eric-M.-Warburg-Preis

Eric M. Warburg

„Eric Warburg ist in seiner Person die Brücke über den Atlantik“, so würdigte Bundespräsident Richard von Weizsäcker anlässlich der Verleihung des ersten Eric-M.-Warburg-Preises im Jahre 1988 die historische Leistung dieses großen Deutsch-Amerikaners. Eric M. Warburg wuchs in einer großen, weltweit verzweigten Familie auf. Sein Vater Max gab ihm folgende Maxime mit auf den Lebensweg: „Wir wohnen auf dieser Welt zur Miete, können Dinge fördern, Schmerzen lindern, helfen, aber nicht herrschen. Unsere Mission ist, bescheiden und ehrfurchtsvoll zu dienen. Wir sind Männer des Dienstes.“

Die Atlantik-Brücke erinnert mit dem Eric-M.-Warburg-Preis nicht nur an einen ihrer Begründer, sondern auch an einen der Gründungsväter der Bundesrepublik Deutschland und deren feste Einbindung in die Gemeinschaft der westlichen Welt. Sie will damit zugleich Persönlichkeiten in Deutschland und den Vereinigten Staaten ehren, die im Geist Eric M. Warburgs dazu beigetragen haben, Deutschlands Platz in der atlantischen Gemeinschaft zu sichern und zu festigen. Eric M. Warburg (1900 – 1990) selbst war 1988 der erste Empfänger des nach ihm benannten Preises.

Bisherige Preisträger

Bundespräsident a.D. Dr. Richard von Weizsäcker (2014)
Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (2012)
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (2009)
Condoleezza Rice (Außenministerin der Vereinigten Staaten von Amerika, 2007)
George Bush (ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, 2002)
General a.D. Dr. h.c. Klaus Naumann (ehemaliger Vorsitzender des NATO-Militärausschusses, 2000)
Otto Graf Lambsdorff (früherer Bundeswirtschaftsminister, 2000)
Veteranen der Alliierten Luftstreitkräfte (anlässlich des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke 1998)
Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl (1996)
Dr. Manfred Wörner (ehemaliger Generalsekretär der NATO, 1994)
Dr. Henry A. Kissinger (ehemaliger amerikanischer Außenminister, 1992)
Paul H. Nitze (1990)
Eric M. Warburg (Gründer der Atlantik-Brücke, 1988)

Des weiteren:

George H. W. Bush Award

George H. W. Bush

“We know what works: Freedom works. We know what’s right: Freedom is right”, so George Herbert Walker Bush in seiner Antrittsrede als US-Präsident 1989. In einer Zeit der Umbrüche verlieh George Bush seiner Überzeugung durch Taten Gewicht. Die Perspektive einer deutsche Wiedervereinigung, die unter den Alliierten zunächst umstritten war, unterstützte Bush nachdrücklich. Der Präsident schätzte und vertraute Deutschland als Partner in Europa und war überzeugt, dass ein wiedervereinigtes freies Deutschland der Rolle als „partner in leadership“, die er schon 1989 formulierte, noch besser nachkommen können würde.

Mit dem George Herbert Walker Bush Award, den die Atlantik-Brücke 2015 erstmals vergibt, hebt sie das Vermächtnis George Bush’s um die transatlantischen Beziehungen hervor und ehrt Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise um die Beziehungen zwischen Deutschland, Europa und den USA eingesetzt haben. Erster Träger des Preises ist sein Namensgeber, George H. W. Bush.

 

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Sowie den

 

Vernon A. Walters Award

Vernon A. Walters

Der Vernon A. Walters Award wird von der Atlantik-Brücke an Persönlichkeiten vergeben, die sich in besonderem Maße um die deutsch-amerikanischen Beziehungen verdient gemacht haben. Der Preis ist nach dem ehemaligen U.S. Botschafter in Deutschland (1989-1991)  Vernon A. Walters benannt, der von amerikanischer Seite die Deutsche Wiedervereinigung begleitete.

Bisherige Preisträger

Liz Mohn (Bertelsmann Stiftung, 2008)
Dr. Jürgen R. Großmann (Georgsmarienhütte Holding GmbH, 2007)
Dr. Dieter Zetsche (DaimlerChrysler AG, 2006)
Dr. Michael Otto (Otto Group, 2005)
Wolfgang Mayrhuber (Lufthansa AG, 2004)
Dr. Bernd Pischetsrieder (Volkswagen AG, 2002)
Dr. Manfred Schneider (Bayer AG, 2000)
Dr. Henning Schulte-Noelle (Allianz AG, 1999)
Dr. Thomas Middelhoff (Bertelsmann AG, 1998)
Dr. Rolf-E. Breuer (Deutsche Bank AG, 1997)
Jürgen E. Schrempp (Daimler Benz AG, 1996)
Jürgen Dormann (Aventis Hoechst AG, 1995)
Eberhard von Kuenheim (BMW AG, 1994)
Louis R. Hughes (General Motors, 1993)

 

Quelle

Vernon A. Walters begleitete als amerikanischer Botschafter die Teilvereinigung Deutschlands. Aber einige Kleinigkeiten lassen Fragen aufkommen, warum Vernon A. Walters als  Namenspatron auserkoren wurde. So war er Geheimdienstkoordinator der USA und operativer Leiter der CIA. In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts war dieser Mann an allen politischen Brennpunkten der Welt mit diversen subversiven Aktionen beteiligt, mit vielen dadurch zu beklagenden Opfern. Die Krone setzte Walters dem Ganzen mit seiner Einlassung auf, in welcher er den Vietnamkrieg als „einen der nobelsten und selbstlosesten Kriege“ bezeichnete, den die USA je geführt haben. Was daran ehrenhaft sein soll, diese Frage müssen sich die Atlantiker wohl gefallen lassen. Auf die Antwort darf man gespannt sein, so denn eine Antwort erteilt wird.

Die Nähe  der Atlantik-Brücke zur höheren Politik ist nicht zu übersehen. Und erinnert man sich, wie Eingangs erwähnt, welche gesellschaftlichen Kreise hier miteinander verkehren, wird die Richtung der Einflußnahme auf die Politik klar. Der Bürger hat in der Atlantik-Brücke keine Stimme.

Nicht nur der Politik und Wirtschaft bietet die Atlantik-Brücke eine vertrauliche Plattform. Hochrangige Militärs geben sich bei der Atlantik-Brücke die Klinke in die Hand. Das in solch trüben Gewässern die Geheimdienste sich wie zu Hause fühlen, ist ein offenes Geheimnis. Im Jahresbericht der Atlantik-Brücke aus dem Jahr 2013/2014 wird dies dann z.B. so ausgedrückt:

Die Gespräche mit dem USEUCOM (U.S. Europaen Command) bringen hochrangige Vertreter aus dem U.S. Europaen Command und der Bundeswehr mit Verteidigungsexperten aus Regierung, Industrie und Medien zusammen.

Was da besprochen und geplant wird, bleibt geheim und hinter verschlossenen Türen. Lediglich was der Steuerzahler erfahren darf oder soll, wird von den beteiligten Medien gebracht. Wie weit diese Berichte den Tatsachen entsprechen, steht auf einem anderen Blatt. Wo bitte schön bleibt da die von den Mächtigen viel gepriesene Demokratie und Transparenz? Alles nur Makulatur?

Fritz Vogtländer

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