Konzernführungen – Moralbefreite Zonen?

GeldDer Wirbel um die Bonuszahlungen an den Vorstand von Volkswagen bringt die komlett enthemmte Gier dieses Personenkreises ans Licht und in das Bewußtsein großer Schichten der Bevölkerung. Das diese Leute Diskussionen über ihre Einkommen und in diesem Fall die sich genehmigten Sonderzahlungen nicht mögen, läßt sich an der Reaktion von Konzernchef Matthias Müller ablesen. Er verstehe, das über die Höhe der Zahlungen diskutiert wird, aber nicht in der Öffentlichkeit. Warum dem so ist, wird schlagartig klar, wenn man auf die Zahlen sieht. Neben den schon extrem hohen Gehältern kassieren diese Leute noch Bonuszahlungen in Schwindel erregender Höhe. Soviel Gegenleistung kann kein Mensch in seinem Leben erbringen. Geschweige denn in einem Jahr. Damit der normale Mensch eine Vorstellung davon bekommt, wie ungeniert sich da bereichert wird, einige Zahlen.

Die Zahlungen an den Vorstand beziehen sich auf das Jahr 2015. Dieses Jahr wird als das Jahr des Abgasskandals in die Firmengeschichte eingehen. Das Auffliegen der Betrügereien bei den Abgaswerten von Dieselmotoren in den USA zwangen den langjährigen Vorstandschef Martin Winterkorn im September 2015 zum Rücktritt. VW standen und stehen Strafen in Milliardenhöhe in Haus. Obwohl Winterkorn diesen Schaden als Konzernchef zu verantworten hat, kassiert er für 2015 rund 7,3 Millionen Euro Prämie. Dazu kommen rund 30 (dreißig!) Millionen Euro Ruhestandsbezüge, die Winterkorn zustehen. Einem einfachen Angestellten mit einer derartigen Schadensbilanz winken statt Bonuszahlungen Freiheitsentzug durch Haftstrafen. Die Bereicherungsorgie betrifft nicht nur Winterkorn. „Lediglich 900.000 € bekam der neue Finanzvorstand Frank Winter – für drei Monate. Der vormalige Finanzchef Hans Dieter Pötsch wechselte in den Aufsichtsrat als Vorsitzender. Der Posten ist mit 1,5 Millionen dotiert. Den Übergang ließ sich Pötsch mit 20 Millionen versüßen. Der Einkaufschef von VW, Francisco Garcia Sanz ist mit 4,4 Millionen dabei und der Chinachef Jochen Heinzmann mit 3,5 Millionen. Zu guter letzt sei noch der Audi – Chef Rupert Stadler erwähnt, der sich an 4,1 Millionen Boni erfreuen kann.
Die genannten Zahlen sind nur Bonuszahlungen. Das normale Gehalt kommt noch hinzu.Sind diese Werte der Bereicherung der Führung eines Konzerns schon skandalös, so übertrifft das Verhalten der Gewerkschaft in diesem Fall sogar noch die Kaltschnäutzigkeit der Chefs.
Im Aufsichtsrat verfügen Gewerkschaft, Betriebsrat und SPD über zwölf von zwanzig Stimmen. Das Präsidium des Aufsichtsrates, welches alle wichtigen Konzernentscheidungen vorbereitet, ist besetzt mit sechs Männern: Aufsichtsratschef Pötsch, Wolfgang Porsche als Sprecher der Eigentümerfamilie, Niedersachsens Ministerpräsident Weil (SPD), IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, Betriebsratschef Osterloh und sein Stellvertreter Stephan Wolf. Also wäre es für die Vertreter der Arbeiter ein Leichtes gewesen, dieses Raubrittertum zu unterbinden, Und statt die Forderung zu erheben, den einfachen Arbeitern und Angestellten einen Bonus zu zahlen, stimmten diese Vertreter der Arbeiterschaft einer Nullrunde zu. Die kleinen Arbeitsbienen haben keinen Anteil am verübten Betrug der Konzernführung. Statt dessen verhandeln Gewerkschaft und Konzern über weiter Verschlechterungen für die Belegschaft. Inzwischen sah man sich des Skandales wegen genötigt, auch den kleinen Leuten einige Krümel vom Kuchen zu überlassen. Wer so vertreten ist, ist verraten und verkauft.

Fritz Vogtländer

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