Griechenland, das Faß ohne Boden? Oder indirekte Rettung des T€uro?

Bei den vielen Steuermilliarden, welche als Hilfspakete bereits in das  kleine Land am Mittelmeer flossen, sind solche Gedanken nicht abwegig. Zumal ein Ende nicht in Sicht ist.
Am 26. Mai dieses Jahres hat Brüssel eine Zahlung aus dem dritten Hilfspaket in Höhe von 10’300’000’000 (Milliarden) T€uro für die Griechen frei gegeben. Eine gewaltige Summe, für die ein Arbeiter mit 2000 T€uro brutto im Monat 429166 Jahre arbeiten gehen muß. Oder 429166 Arbeiter ein Jahr lang 2000 T€uro brutto im Monat verdienen können.


Nur wie kam es dazu, daß das Land ohne finanzielle Transfusionen nicht überleben kann? Und überhaupt, warum läßt man Griechenland nicht eine geordnete Insolvenz hinlegen?
Die erste Frage erfordert es, die Jahre seit des Beitritts Griechenlands zur EG/EU und T€uro zu beleuchten.
1981 trat Griechenland der EG, der heutigen EU bei. Im Jahr 2000 gab Griechenland  an, die Kriterien zu erfüllen, und trat der Eurozone am 1. Januar 2001 bei. Zum 1. Januar 2002 wurde der Euro mit Münzen und Geldscheinen als offizielle Währung in den Staaten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien eingeführt. Allein von 1981 bis zum Ausbruch der Finanzkrise 2010 ist ein Betrag von 180’000’000’000 (Milliarden) T€uro an Subventionen in das Land der Griechen geflossen. Am 23. April 2010 stellte die griechische Regierung  wegen ihres Staatsdefizites von 273 Milliarden T€uro einen Antrag auf Hilfen von der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Daraufhin sagte Brüssel den Helenen 110 Milliarden T€uro für den Zeitraum von Mai 2010 bis 2013 zu, wovon 73 Milliarden zur Auszahlung kamen und 34,4 Milliarden auf das zweite Paket übertragen wurden. Der Bankrott des Landes war vorerst abgewendet.
Vom IWF kamen 30 Milliarden T€uro, die T€uro-Mitgliedsstaaten waren mit insgesamt 80 Milliarden T€uro im Feuer. Der deutsche Steuermichel ist mit 22,4 Milliarden T€uro (pro Jahr 8,4 Milliarden T€uro) an der Finanzhilfe für Griechenland beteiligt. Mit diesen Rettungmaßnahmen hatte sich der Schuldenstand der Griechen auf 329’000’000’000 (Milliarden)T€uro verändert – von ursprünglich 273’000’000’000 T€uro. Das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen. Ein voller Erfolg! Nur wessen Erfolg?  Die Erfolgsgeschichte nimmt in 2012 bereits ihren weiteren Lauf mit Rettungspaket II. In diesem Paket, das auf zwei Jahre angelegt ist, stecken 163,6 Milliarden T€uro, von denen bis April 2016 142,7 Milliarden T€uro ausbezahlt wurden. Doch damit des Erfolges nicht genug. Rettungspaket III für den Zeitraum 2015–2018 ist aufgelegt. Verpackt sind darin 86 Milliarden T€uro, von denen bis November 2016 31,7 Milliarden T€uro zur Auszahlung kamen. Mit den
10,3 Milliarden T€uroen vom 26. Mai 2017 hat Griechenland sage und schreibe
445,7 Milliarden an Hilfsgeldern erhalten. Um bei unserem Arbeiter mit 2000 T€uro brutto im Monat zu bleiben, so müßte der arme Tropf 18’570’833,33 Jahre schuften gehen, oder anders herum haben mit dieser Summe 18’570’833 Arbeiter ein Jahr lang 2000 T€uro brutto im Monat. Das sind mehr Menschen, als die DDR Einwohner hatte (17 Millionen).
Dieser Gelds(r)egen kam der griechischen Bevölkerung teuer zu stehen. Die bitteren Pillen, die das griechische Volk schlucken mußte waren Erhöhung der Mehrwertsteuer von unter 20% auf 23%, Kürzungen bei den Renten, öffentlichen Ausgaben, Gehältern der Staatsdiener, Erhöhung von Steuern und Abgaben. Die Einkommen der Menschen sanken durch Eingriffe in den Arbeitsmarkt um 24% und die Arbeitslosigkeit stieg auf über 27% an. Folge dieser Maßnahmen war und ist ein rapider Anstieg von Insolvenzen im Privaten wie auch wirtschaftlichen Bereich. Um die Situation bildlich auszudrücken: Die Granden von EU und Länder haben versucht einen Ertrinkenden mit einem großen Stein zu retten. Im Zeitpunkt des Entstehens dieses Beitrages betragen die Griechischen Staatsschulden 315,6 Milliarden Teuro. Den Aktuellen Stand der Verschuldung der Länder bekommt man auf dieser Seite angezeigt.
445,7 Milliarden an Zahlungen stehen aktuell 315,6 Milliarden Schulden gegenüber. Damit sollte das Problem doch aus der Welt sein möchte man meinen. Aber der Name Hilfs- oder Rettungspaket täuscht hier. Es wird weder wirklich geholfen oder gerettet, sondern die finanzielle Schlinge um den Hals der Griechen immer fester gezogen. So werden die Griechen gezwungen, zusätzlich zu dem Schierlingstrank für das Volk ihr „Tafelsilber“ zu verschleudern. Dieser Ausverkauf des Landes heißt dann verharmlosend Privatisierung. Alles womit der griechische Staat noch Geld verdienen kann, muß gierigen Geldhaien für einen Bruchteil des Wertes ausgeliefert werden. Die Gewinne aus diesen Betrieben fließen dann in fremde private Taschen, anstatt zur Begleichung der Staatsschulden verwendet werden zu können.

Nun ist der Verlust des Einen naturgemäß der Gewinn eines Anderen. Wer ist in diesem Fall der oder die Anderen? Um die Anderen zu finden, sollte tunlichst der Spur des Geldes gefolgt werden. Womit wir bei der Beantwortung der zweiten Frage nach einer möglichen Insolvenz des Landes angekommen sind. Die Anderen sind EZB, IWF, Bundesbank und eine ganze Reihe privater Gläubiger, die zum Teil über/durch IWF und EZB beteiligt sind. Aus früheren Zeiten stehen z.B. noch französische Großbanken mit auf der Liste. All diese Banken einschließlich IWF und EZB sind in privater Hand. Und durch das System des Zinses auf Zins verdienen diese Leute an Schulden Unsummen ohne auch nur einen Finger zu rühren. Nur hoch genug müssen die Schulden sein, sonst besteht Gefahr, der Delinquent bezahlt seine Verbindlichkeiten, zieht den Kopf aus der Kreditschlinge und das leistungslose Einkommen ist futsch. Doch Vorsicht! Werden die Verbindlichkeiten zu hoch, geht’s auch in die Hose. Der Schuldner meldet womöglich Insolvenz an. Dann haben diese Leute das Nachsehen, denn auch in diesem Fall versiegt das leistungslose Einkommen Damit ist klar, das eine Beendigung der Schuldenorgie gar nicht gewollt ist und deshalb auch nicht kommt. Obendrein muß der Schuldner nach der Pfeife des Kredithaies tanzen.
Damit ist ein Grund benannt, warum Griechenland nicht insolvent gehen darf. Der andere ist, läßt man es Griechenland zu, sich mit einer Insolvenz seiner Schuldenlast zu entledigen, beanspruchen andere ebenfalls hoch verschuldete Länder das gleiche Recht. Die Folge wäre, die heilige Kuh der Eurokraten, der T€uro, würde tot umfallen. Also wird der T€uro neben den 80 Milliarden monatlichen frischen Geldes auch hier gerettet. Denn dieser Sterbefall löst einen Dominoeffekt von weiteren Sterbefällen im weltweiten Finanzsystem aus, was letztendlich zum totalen Zusammenbruch des globalisierten Finanzsystems führt.
Zum Schluß sei noch bemerkt, das dieser weltweite Zusammenbruch des Finanzsystems seit geraumer Zeit hinaus gezögert wird. Die Staatsschulden auf der Erde liegen bei 215 Billionen (215’000’000’000’000) Dollar. Diese Summe übersteigt den Wert aller Güter auf der Erde und kann niemals getilgt werden. Die Banker wollen auf ihren Geldspringbrunnen nicht verzichten und die Staatenlenker nicht auf ihre Futtertröge. So wird mit neuen Schulden Zeit erkauft bis der Ballon mit einem riesigen Knall explodiert.

Fritz Vogtländer

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