Elektromobilität – Fluch oder Segen?

Tesla Modell S

Tesla Modell S

Elektrische betriebene Fahrzeuge gibt es seit der Erfindung des Autos selbst. In den USA waren Autos mit Elektromotor anfangs verbreiteter als solche mit Verbrennungsmotor. Die Vorteile der elektrischen Lagen auf der Hand. Hohe Zuverlässigkeit, leise und ohne Qualm und Gestank. Die geringe Reichweite spielte zu dieser Zeit keine so große Rolle, weil das Auto eher für kurze Entfernungen eingesetzt wurde.
Das Elektroauto war aber der sich entwickelnden Petroleumindustrie ein Dorn im Auge. Schließlich braucht ein Stromer kein Benzin und genau dieses will die Petroleumindustrie in möglichst großen Mengen verkaufen. So wurde das Elektroauto auf Betreiben der Öllobby zu Grabe getragen.
Seither gab es immer wieder einzelne Versuche, Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen. Die Versuche blieben auch Versuche und die verkauften Stückzahlen waren entsprechend gering. Der größte Nachteil der Stromer zu ihren mit Verbrennunngsmotor betriebenen Pedant ist die geringe Reichweite, lange Ladezeiten und ein hohes Gewicht. Während der Verbrennungsmotor ständig perfektioniert wurde, blieb die Entwicklung leistungsfähiger Speicherzellen auf der Strecke.

1990 stellte General Motors mit dem Impact einen elektrisch betriebenen Prototypen vor. Aus diesem ging später der EV1 hervor. Ein serienreifes Elektrofahrzeug. Auslöser für diese Entwicklung war die kalifornische Gesetzgebung des Jahres 1990 (Clean Air Act und Zero Emission Mandate). Diese legte fest, dass bis 1998 mindestens zwei Prozent und bis 2003 zehn Prozent der neu zugelassenen Autos emissionsfrei sein sollten. Doch die amerikanische Automobilindustrie hatte kein Interesse an einem Elektroauto. Also wurde im Verbund mit der Ölindustrie Druck auf die kalifornische Regierung ausgeübt, in dessen Folge die Gesetzgebung aufgeweicht wurde. Die Fertigung des EV 1 wurde eingestellt und bereits produzierte Fahrzeuge vernichtet. Und das, obwohl eine ausreichende Nachfrage vorhanden war. Auch in Technik und Ausstattung war das EV 1 Richtung weisend. Rund 130km/h (abgeregelt) und 225 km Reichweite, eine Beschleunigung von unter neun Sekunden auf 100km/h sind respektable Werte.

Der Dokmentarfilm Who killed the electric car? von Chris Paine sei dem interessierten Leser empfohlen. Erst 2010 brachte GM wieder ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug auf den Markt. Der Chevrolet Volt und der nahezu baugleiche Opel Ampera sind aber keine reinen Elektrofahrzeuge. Bei ihnen ist zusätzlich ein Verbrennungsmotor verbaut, der einen Generator antreibt und so die Reichweite vergrößert. Mir stellt sich seit längerem die Frage, warum im herkömmlichen Fahrzeugbau die Kraftübertragung noch mechanisch erfolgt. Von der Bahn her ist der Diesel – Elektische Antrieb bekannt. Der elektrische Radantrieb wird von einem Generator gespeist. Der Verbrennungmotor dagegen läuft konstant in seinem günstigsten Drehzahlbereich mit entsprechend niedrigem Verbrauch und Emission. Die Steuerung der Elektromotoren erfolgt stufenlos und kontaktlos und unterliegt keinem Verschleiß. Reparaturanfällige Teile wie Kupplung, Getriebe, Gelenkwellen entfallen.
Und die anderen Hersteller auf dieser Welt? Die meisten experimentieren, meist ohne richtiges Interesse, mit reinen Elektrofahrzeugen. Zum Einen um der Konkurrenz nicht zu sehr hinterher zu hinken, anderseits auf Forderungen der Politik wenigstens zu reagieren. Steigende Kraftstoffpreise machen die Elektromobilität für viele Kunden zu einer interessanten Alternative. Zumal die meisten täglichen Fahrten im Bereich unter 100 km liegen – für Elektroautos der ideale Einsatz. Statt dessen werden von den Herstellern Hybridfahrzeuge entwickelt und mit großem Aufwand beworben, während die Stromer hier eher stiefmütterlich behandelt werden.
Auch im öffentlichen Nahverkehr hatte die Elektromobilität schon lange Einzug gehalten. Im nahe gelegen Zwickau wurden im Stadtverkehr Oberleitungbusse eingesetzt. Eine saubere Sache, die aus mir unbekannten Gründen eingestellt wurde.
Wie attraktiv Elektromobilität sein kann, zeigt die Firma TeslaMotors. TeslaMotors baut rein elektrisch betriebene Sportwagen mit atemberaubenden Fahrleistungen der dazu noch sehr schön anzuschauen ist. Der Hersteller gibt eine Reichweite von 300 Meilen bei 55 Meilen pro Stunde an. Das entspricht 480km bei rund 88km/h. Von 0 auf 100km/h genehmigt sich das Modell S gerade einmal 4,2 Sekunden. Die Ladezeiten variieren je nach verwendetem Ladeadapter. TeslaMotors hat mit diesem Fahrzeug alle althergebrachten Vorurteile gegen Elektroautos hinweg gefegt. Die Alltagstauglichkeit eines solchen Fahrzeugs zu bestreiten wird schwer, wenn nicht sogar unmöglich.
Bei uns in der bunten Republik fordert die Politik Elektromobilität. Die Hersteller mauern und schreien nach Steuergeld für die Entwicklungskosten. Sicher Forschung kostet Geld und selbst Systeme wie von Tesla sind sicher noch verbesserbar. Doch den Herstellern muß entgegen gehalten werden, das alle Komponenten serienreif vorhanden sind. Worauf wartet man auf Seiten der Hersteller also? Will man lediglich Steuergeld erpressen?
Machen wir eine kleine Gegenüberstellung. Welche Vorteile besitzt ein Stromer gegenüber einem Verbrenner?

  • Kaum mechanische Teile

  • keine Ölwechsel

  • kein Zahnriemen

  • keine Kupplung

  • Wartungaufwand sehr gering

  • keine Abgase

  • nahezu lautlos

Und die Nachteile?

  • Durch die Ladezeiten „begrenzte“ Reichweite

  • Energiespeicher noch teuer

 Der Vergleich erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Mal sehen, ob unsere deutschen Marken sich ein Vorbild an TeslaMotors nehmen und endlich Nägel mit Köpfen machen, statt immer nur zu lamentieren. TeslaMotors kommt übrigens mit der Produktion nicht nach wegen der hohen Nachfrage und schreibt schwarze Zahlen. Womit bewiesen ist, mit einem Elektroauto sind auch Gewinne realisierbar.

Fritz Vogtländer

Ein Gedanke zu „Elektromobilität – Fluch oder Segen?

  1. Hätten die Pferdezüchter auf dieser Welt eine stärkere Lobby, als die Energie- und Öl-Magnaten, stünde die Mehrheit unserer Politiker auf der Lohnliste der Pferdezüchter.
    Dann würden wir heute mit „hochentwickelten“ Pferdekutschen (mit Klimanalage, elektrischen Fensterhebern, 27-Zoll-Alus und Navi) durch die Gegend reisen und in 5 Meter hoher Pferdesch..ße ersticken.
    Aber da nunmal die Energie- und Öl-Magnaten den Ton auf dieser Welt angeben und somit wichtigste Geldgeber der Politik sind, ersticken wir in den Abgasen unserer „hochentwickelten“ Verbrennungs-Motoren.

    Grüße von Berlinpfeil

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